2012 IFK-GAIS (6)

UiSF – Nachgefragt bei: „Ultras Göteborg“ (IFK Göteborg, Schweden) & Ultras Malmö (Malmö FF, Schweden)

UiSF – Nachgefragt: „Ultras Göteborg“ & „Ultras Malmö“

Wir sprachen, unanbhängig voneinander, mit den „Ultras Göteborg“ und den „Ultras Malmö“ über die Fankultur in Schweden, Ultras, Pyrotechnik, Repressionen und einiges mehr.

UiSF (for UG): Ihr habt nicht nur mit dem Verbot von Pyrotechnik zu kämpfen, sondern auch vom Verein ein „Maskierungs“-Verbot auferlegt bekommen? Wie geht ihr damit um? (Beside the ban of pyrotechnics you have to deal with a „masking“-ban which was imposed by your club. Ow do you deal with that?)

Ultras Göteborg (UG): Eigentlich ist es genau so, wie vor dem Verbot. Wir verwenden auch weiterhin Pyrotechnik und auch Sturmhauben/Masken. Der Verein weiß, dass weder Cops noch Security bei der Verwendung von Pyrotechnik einschreiten, weil dies dazu führen kann, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Also um ehrlich zu sein, hat sich nichts verändert und das Verbot ist völlig wirkungslos. Wir werden weiterhin zünden, und der Club wird versuchen uns aucf Überwachungsvideos zu identifizieren. (Actually there is no difference than before the ban, we still use masks when we use pyrotechnics. The club understands that our stewards/security staff or police can’t step in trying to stop us, because that would create a more dangerous situation. So to be honest, the ban is totally ineffective, nothing has changed on the terrace. We keep lighting the flares and the club keep trying to identify us on their CCTV-tapes.)

Foto: Ultras Göteborg

2013 MFF-IFK (5)UiSF (for UM):

In der Nacht des 8. März 2014 erlitt „Showan“, ein Mitglied eurer Szene, bei einem Angriff von Neonazis auf eine Gruppe Antifaschisten, so schwere Hirnverletzungen, dass er in ein künstliches Koma versetzt werden musste. Weltweit gab es unter dem Motto „Kämpa Showan!“ Solidaritätsbekundungen und weitere Aktionen. Wie ist sein aktueller Gesundheitszustand? (In the night of 8th march 2014, Showan, member of your group, was injured very badly during an attack of Neonazis on an Anti-Fascist group. His brain lesion was so badly that he was placed in an artificial coma. Worldwide groups showed their solidarity under the slogan “Kämpa Showan!” How is his medical condition at the moment?)

Ultras Malmö (UM): Showan geht es soweit gut und er erholt sich von der geistigen Schlappheit, die die schwere Kopfverletzung mit sich trug. Wir möchten uns für die Solidaritätbekundungen, und Genesungswünsche aus aller Welt, bedanken. (Showan is doing fine, and is quickly recovering from the mental weariness coming from the wound in his head. We would like to thank all the different groups and teams who have shown solidarity for our member.)

UiSF (for UG): Bitte erzählt uns doch etwas über eure Gruppengeschichte. (Please tell us something about the history of your group.)

UG: Die „Ultras Göteborg“ wurden 2005, im Zuge eines Zusammenschlußes der schon länger existierenden Ultra-Gruppen „Ultra Bulldogs“, „West Coast Angelz“ und „Young Lions“, gegründet. Die „Ultra Bulldogs“ wurden bereits 1997 gegründet, was bedeutet dass unsere Wurzeln in einer der ältesten Ultra-Gruppen Schwedens liegen. Im Sommer 2005 wollte man dann die Kräfte bündeln, und so ergriffen die „Ultra Bulldogs“ die Initiative und organisierten ein Treffen mit den „West Coast Angelz“ und den „Young Lions“, den anderen beiden, mehr oder weniger aktiven Ultra-Gruppen, neben den Bulldogs, auf der damaligen Tribüne. Bei einem weiteren treffen wurden dann die „Ultras Göteborg“ gegründet, welche bis heute aktiv im Stadion sind. (Ultras Gothenburg was founded in 2005 by a merger of the three ultra groups Ultra Bulldogs, West Coast Angelz and Young Lions. Ultra Bulldogs was founded in 1997 which means we have our roots in one of the oldest ultra groups in Sweden. It all began with Ultra Bulldogs in summer 2005 called to a meeting with Young Lions and West Coast Angelz, the two groups who more or less ruled the terrace at this time, they came up with the idea of instead of three smaller groups, we would be stronger if we were one big group. And after another meeting we came up with the name Ultras Göteborg and we are still going strong.)

Foto: Ultras Göteborg

2014 IFK-AIK (11)UiSF (for UM): Welche Länder haben den größten Einfluss für die schwedische Ultra-Szene gehabt? (Which countries had most influence on the swedish ultra-scene?)

UM: In den 90ern verbreiteten sich Fahnen, Pyrotechnik und organisierte Gesänge mehr und mehr, und zu Beginn der 2000er waren die meisten der heute bekannten Gruppen gegründet. Ich würde sagen dass die Ultras in Frankreich, Italien und Deutschland uns am meisten beeinflusst haben. Die ältere Generation ist mehr vom englischen Support beeinflusst worden. (In the 90s flags, pyro and organized singing became more and more common, and in the beginning of 2000 most of the well known ultras groups in Sweden was formed. Back then, and even now, I would say that France, combined with Italy and Germany has influenced the Swedish ultra-scene the most. The older generations, often firms, are more influenced by the english style of support.)

Photo: Ultras Malmö

10859638_813744851997496_463332495_nUiSF (for UG): Ihr habt mit GAIS Göteborg Örgryte IS (ÖIS) und BK Häcken drei weitere, mehr oder weniger, bekannte Clubs in der Stadt. Wie ist das Verhältnis zu den „Nachbarn“ und inwiefern gibt es Probleme im Alltag? (With GAIS Göteborg Örgryte IS and BK Häcken you have three, more or less, other famous clubs in your town. How is the relation to the „neighbours“. In what way are there any problems in daily life?)

UG: IFK ist ohne Zweifel der beliebteste Club der Stadt. Vor einigen Jahren ergab eine Umfrage dass 75% der Göteburger Fußballfans den IFK unterstützen. GAIS und ÖIS hatten jeweils etwa 10% erreicht. BK Häcken ist zwar auch ein Göteburger Club, hat jedoch nur etwa 50 aktive Fans, weshalb sie kaum was zu melden haben. Vor etwa zehn Jahren hatten wir bei den Derbys gegen ÖIS teilweise 40.000 Zuschauer. GAIS spielte in unteren Ligen, sodass es hier kaum zu Kontakten kam. Aktuell sind GAIS und ÖIS unsere Hauptrivalen. Bei GAIS gibt es eine Gruppe mit Namen „GAIS Tifo“, mit denen es in den letzten Jahren einige Zwischenfälle, von Kneipenüberfällen bis hin zu Straßenkämpfen. Es gibt viel böses Blut zwischen uns. Unser größter Rivale in Schweden ist AIK, für GAIS sind wir die größten Rivalen. (IFK is without a doubt the biggest team in the city, there was a survey a few years ago which showed that about 75% of the people of Göteborg supported IFK, GAIS and ÖIS had about 10% each. There is also the team BK Häcken, but they have perhaps about 50 active supporters so they don’t count. About ten years ago we had derbys against ÖIS with over 40 000 spectators, so they were then our biggest rivals, GAIS were in lower divisions so we didn’t care too much about them. But now ÖIS is in the third division, and GAIS are our main rivals in Göteborg. They have a group called “GAIS Tifo”, and there have been some incidents between us in the past years. From pub storms to fights on the streets.Our relation is far from good, there is bad blood between us, especially from GAIS. Our biggest rival in Sweden is AIK, but for GAIS we are their main rival. If we see each other in a night out or similar, there are often fights.)

Foto: Ultras Göteborg

2013 IFK-BP (6)UiSF (for UM): In den meisten Ländern haben Fans mit verschiedensten Repressionen (Stadionverbote usw.) zu tun. Wie schaut es da in eurem Land aus? Wo gibt es die größten Probleme? ( In most countries fans have to deal with different repressions (stadium-bans,…). How is it in Sweden? Where do you have most problem?)

UM: In den letzten Jahren gab es eine Menge populistischer Gesetze, die vom Staat verabschiedet wurden. Wir haben viele Probleme mit Überwachungen und Stadionverboten, welche unsere Gruppe ereilt haben. In vielen Städten und Regionen haben die Cop´s die Nase voll von Auswärtsfans, und so versucht man sie am Reisen zu hintern. Eins ist jedoch sicher: Niemand kann Ultras stoppen! (During the last couple of years there has been alot of new, populistic, laws that has been implemented from the state. We also have a lot of problems with stadium bans for group members and surveillance around games. The police in some cities and regions is very fed up with away supporters, and has in some cases tried to stop travelling. But one thing that is for sure is that they can never stop ultras.)

Foto: Ultras Malmö

10866819_813744991997482_1342530764_nUiSF (for UG): Was denkt ihr über die Ultra-Szenen in anderen Ländern? (What do you think about ultras in other countries?)

UG: In Ländern wie Frankreich, Italien oder auch Teile des Balkans, wurde ein großer Teil der Ultra-Kultur durch diverse Repressionen vernichtet. Einige fantastische Gruppen gibt es jedoch noch. Viele Länder in Europa verfügen über eine wirklich gute Ultra-Kultur. (Countries like France, Italy, Balkan, a big part of their culture has died out because of a big repression. But there are still some amazing groups. Many countries in Europe have really good ultras and we are inspired by them.)

UiSF: Pyrotechnik ist in Schweden verboten. Trotzdem präsentiert ihr regelmäßig fantastische Pyroshows. Lässt man euch da einen gewissen Raum, oder werdet ihr da sehr streng verfolgt? (Pyrotechnics are forbidden in Sweden. Nevertheless you regularly show fantastic pyroshows. Do the clubs give you some free space, or do you have to deal with harsh prosecution?)

UG: Einen „Freiraum“ haben wir definitiv nicht. Fast jedes Mal kommt es nach Pyroaktionen zu Stadionverboten. Die zusätzliche Strafe beläuft sich zwischen 200 und 2000 €. Kommt drauf an, wieviel Strafe der Verein vom Verband aufgebrummt bekommt. Das Stadionverbot beträgt zwischen 6 Monaten und 2 Jahren. Das Parlament befürwortet eine mögliche Erhöung auf drei Jahre.In Stockholm ist die Situation etwas anders. Gibt es dort große Pyroshows schauen die Verantwortlichen weg, weil sie genau wissen, was sie an ihren Fans haben. (In Göteborg we are given no “free space”. We know that almost every time we have a pyroshow, someone will get caught by either the club or the police. With stadium ban and sometimes a trial. The fine can be from 200 euros to 2000 euros, it depends if the club claims money from you. Because the clubs gets fined by the Swedish football association when the supporters use pyro, fortunately that rule is removed 2015. Nowadays the the ban is from 6 months to 2 years, but there is a proposal from the parliament that will mean a 3 year old ban, but it’s not decided yet. In Stockholm the situation is different, people who use pyro almost never get caught. Because of this, they can have bigger pyroshows and more often. When they have pyroshows, the club look away, because they understand the importance of supporters, unlike our club.)

UM: Wir haben keinen Freiräume bei Pyrotechnik, im Gegenteil. Wir müssen stets sehr vorsichtig vor den Sicherheitsvorkehrungen sein während wir Pyrotechnik zünden, um nicht erwischt zu werden, und um gleichzeitig Pyrotechnik sicher vor der restlichen Tribüne zu zünden. Die Polizei und die Vereins-Security sind sehr aktive bei der Beobachtung von Pyrotechnik. (We do not have any free space for pyrotechnics; instead we consequently have to be very aware of security measures while doing pyroshows. For not getting busted, and for making the pyro safe for the rest of the stands. The police and our club security are very active with surveillance against pyro.)

Foto: Ultras Göteborg (1) & Ultras Malmö (2)

2013 DIF-IFK (svcupen) (16)10864362_813744988664149_1560543877_oUiSF: Unterstützt ihr soziale Projekte, oder habt gar etwas ins Leben gerufen? (Do you support social projects or did you initiate something in this section?)

UG: Letztes Jahr hatten wir eine Aktion, mit der wir für einen kranken IFK Fan gesammelt hatten, dem man die richtige Versorgung und Entschädigung verweigerte. Auch Leute, die nicht IFK Fan sind, machten mit und so kamen immerhin 6.000 € zusammen. Das war es eigentlich auch, weil die Meinungen da auseinander gehen und man sich nicht einig wird, wo man sein Engagement einbringen sollte. Wir sind immernoch „nur“ Fussballfans und keine Sozialarbeiter. (Last year we had a fund rising to an IFK supporter who after a injury was refused proper care and denied compensation for his injuries. Other clubs was also moved by his story and together we collected about 6000 euros for his treatment. Beside that we are trying not to get too involved in social projects, because people have different opinions in what we should engage in. We are just supporters, not social workers or charity workers.)

UM: Normalerweise nicht. Natürlich zeigen wir Solidarität mit verletzten Fans, aber wir arbeiten nicht in sozialen Projekten. (Normally no. We have shown solidarity to injured supporters, but don’t work with social projects.)

UiSF: Am ersten Spieltag dieser Saison kam es leider vor dem Spiel zwischen Helsingborg und Djurgarden zum tragischen Tod eines Djurgarden Fans, nachdem er bei einem Kampf von einem Gegenstand am Kopf getroffen wurde. Gab es in der Zeit danach vom Fußballverband Restriktionen oder Bestrebungen härter gegen Ultras vorzugehen? ( On the 1st matchday of this season, before the match of Helsingborg and Djurgarden there was the tragic death of an Djurgarden fan, after he was hit by an object on the head. Were there stronger restrictions or intentions to take more action against the ultras by the Swedish football-federation?)

UG: Der Tod von Stefan, dem Fan, war sehr tragisch. Er war nur ein normaler Fan und Vater von vier Kindern. Danach riefen die Medien nach einem Verbot für alle Auswärstfans, Höhere Strafen und einer Verbannung von allen „Risikofans“. Die Lage beruhigte sich jedoch wieder und es gab keine größeren Veränderungen. Die Fans diskutierten mit, und konnten die Debatte so ausgeglichener gestalten. (The death of Stefan, the supporter, was very tragic. He was just a regular supporter and a father of four children. Afterwards the media yelled about higher penalties, stop away supporters, ban all risk supporters etc. But it calmed down after a couple of weeks, and there has been no major change, mainly because engaged supporters were in many debates against those so called experts, and that made the discussions more objectively.)

UM: Ja die gab es. Der Täter war ein ehemaliger Hooligan. Fußballverband, Staat, Polizei und Medien nahmen diese Tat zum Anlaß, um härter gegen z.B. Pyrotechnik vorzugehen, statt gegen die Gewalt, welche den Fan sterben ließ. Die Fans und Ultras von Schweden arbeiten auf vielen Ebenen, die die Fanpolitik betreffen, zusammen, zum Beispiel wenn es darum geht, dass Tragödien wie diese nie wieder vorkommen. Viele Fans verschiedener Gruppen und Clubs arbeiten zusammen bei der SFSU (Svenska Fotbollssupporterunionen). Die Sicherheitsorganie attackieren dennoch die Fans, die sich hier einbringen, damit es solche Tragödien nicht wieder gibt. „Fuc* them!“ (Yes there was. From the FA, the state, police and media. It was a former hooligan who killed the guy in Helsingborg, and I guess the establishment found it easier attacking more visual and safety-related problems like pyro, instead of discussing the violence wich killed the guy. The supporters and ultras of Sweden collaborate on alot of levels regarding supporter politics, not at least when it comes to avoiding tragedies like that from happening again. Many of the different groups from different teams work together in a network called Svenska Fotbollssupporterunionen (SFSU). But nevertheless the establishment attacks the ones who really are taking the responsibily to not let tragedies like that happen again. Fuc* them!)

UiSF (for UM): Wenn in Deutschland im TV eine Pyroshow gezeigt wird, sprechen die Medien fast immer von „Chaoten“, „Idoten“, „Hooligans“, „Ausschreitungen“ usw. Früher hieß es „Südländische Atmosphäre. Wie wird bei euch über Pyrotechnik berichtet? (If pyro is shown in german TV they always talk about idiots, hooligans and riots. In the past they called it southern atmoshphere/italian atmosphere. How are the reports about pyro in your country?)

UM: Das ist hier nahezu das selbe. Vor vielleicht zehn Jahren waren die Medien noch positiv auf uns Fans zu sprechen. Heute schaffen sie es die Dinge so darzustellen, dass die öffentliche Meinung von uns einfach nur schlecht ist. Einzelne Journalisten sind oft immernoch auf unserer Seite aber die Mainstream-Medien haben sich, in den letzten Jahren, komplett gedreht. (Basically the same here. It was like 10 years ago that the media in general was positive to supporters. Nowadays it’s really about turning the public opinion against us when the media is on the hunt. There are still some journalists out there who are on our side, but the mainstream media has turned completely the last couple of years.)

Foto: Ultras Malmö

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