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Gruppen-Interview: „Union ’99 Ultrà Salzburg“ (SV Austria Salzburg)

Gruppen-Interview

„Union ’99 Ultrà Salzburg“ (SV Austria Salzburg)

Vor einigen Wochen, waren wir zu Besuch in der Mozartstadt Salzburg, wo wir beim SV Austria Salzburg vorbei schauten. Die führende Gruppe der dortigen Kurve, die „Union ’99 Ultrà Salzburg„, feierte an jenem Wochenende ihr 15-jähriges Bestehen (Foto: Jubiläums-Choreo). Im Zuge unseres Aufenthaltes, kam das nun folgende Interview zustande. „Roly“, einer der führenden Köpfe der Gruppe, stand uns ausführlich Rede und Antwort. An dieser Stelle nochmals besten Dank dafür! Auch für das Bereitstellen der meisten Fotos.

IMG_4646-1024x417Unterwegs in Sachen Fussball („UiSF“):
Eure Gruppe feiert in diesem Monat sein 15-jähriges Bestehen. In dieser Zeit ist unheimlich viel geschehen. Wie würdest du sagen, hat sich die Gruppe in dieser Zeit entwickelt? Und wieviele Mitglieder hat die Gruppe aktuell?

Union ’99 Ultrá Salzburg („UU’99“):
Momentan stehen wir bei knapp unter 100 Mitgliedern. Unsere Gruppe hat sich aus meiner Sicht prächtig entwickelt und kontinuierlich in allen Belangen verbessert. Im Jahr 1999 befand sich die Salzburger Fanszene in einer Art Dornröschenschlaf. Ich sehe die Gründung unserer Gruppe mehr oder weniger als Initialzündung für die Entwicklung, welche unsere Fanszene in den Jahren darauf genommen hat. (Foto: Die Anfangszeit)

2_anfangszeit„UiSF“:
Erzähl doch bitte etwas zu euren emotionalsten Momenten, sowohl im positiven als auch negativen Sinne.

„UU’99“:
Der schlimmste Tag im bisherigen Bestehen unserer Gruppe war sicherlich jener, an welchem „Gerli“ aus unserer Mitte gerissen wurde. Bei der Rückfahrt aus Dortmund ist unser Freund bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Wir veranstalten jedes Jahr ein Fußball-Kleinfeldturnier um sein Andenken hochzuhalten. Ebenso begleitet uns sein Konterfei zu allen Spielen unserer Austria und es hat auch in unserer Sede (Clubraum) einen ganz speziellen Platz. So emotional alle anderen mit der Gruppe erlebten Momente auch waren – dass „Gerli“ nie wieder mit uns in der Kurve stehen wird, ist eine ganz eigene Geschichte. Ganz so, wie es auf unserem Kranz bei seiner Beerdigung und auf dem Spruchband der Choreographie (Foto) ihm zu Ehren stand: „Du bist nicht mehr wo du warst, aber du bist überall wo wir sind!“

5_gerli_choreoDass der Lizenzkauf von R**B***, und die anschließende Abspaltung der organisierten Fanszene, eine der bewegensten Phasen unserer Geschichte darstellt, ist wohl nicht weiter verwunderlich. Die Zeit danach und der erste Meistertitel mit unserem, selbst geführten Verein, werden sicher unvergesslich bleiben. Ein großer Moment für die Gruppe war sicherlich auch der Abschied aus unserem alten Stadion in Lehen (siehe Foto). Mit einer, vorher in Österreich nie dagewesenen Überziehfahne von unserer Gruppe, verabschiedeten wir uns damals von unserer angestammten Heimat. Es fällt mir schwer mich auf wenige Momente festzulegen. Jede Stunde im Kreise unserer Gruppe war geil und die letzten 15 Jahre, im Rahmen unserer 15er Feier, mit Wegbegleitern aus der Kurve und unseren Freunden Revue passieren zu lassen und in alten Anekdoten zu schwelgen, war auch recht emotional.

DCF 1.0„UiSF“:
Zu welchen Fanszenen pflegt ihr ein freundschaftliches Verhältnis und seit wann existiert diese Freundschaft?

„UU’99“:
Wir pflegen Freundschaften zur Curva Nord Barletta und zur Curva Nord von Udinese Calcio. Beide Freundschaften sind in den ersten Jahren unseres Bestehens entstanden.

IMG_4789-1024x682„UiSF“:
Welche Clubs/Fans sind eure ärgsten Rivalen?

„UU’99“:
Der Club, den wir am meisten verabscheuen, ist R**B***. Weil dieses Konstrukt aber über keine Fanszene verfügt, bzw. wir die paar Kasperl, die sich dort wichtig machen, in keinster Weise respektieren, ist es eine andere Art von Feindschaft als jene, die uns mit den beiden Wiener Großklubs Rapid und Austria Wien bzw. Wacker Innsbruck „verbindet“.

4„UiSF“:
Etwa 6 Jahre nach Gründung der Gruppe „Union ’99 Ultrà Salzburg“ passierte das, was man keiner Fanszene wünscht. Der Konzern „Red Bull“, mit Firmen-Hauptsitz nahe Salzburg (Fuschl am See), übernahm den Verein Austria Salzburg und vernichtete quasi die komplette Geschichte der Salzburger Austria. Was passierte dort alles, was euch zu der Entscheidung kommen ließ, die Neugründung anzustreben?

„UU’99“:
Es wurde damals jeglicher Hinweis auf Austria Salzburg vernichtet. Wenn man die Farben, das Wappen und den Namen eines Vereins ändert, bleibt von der eigentlichen Identität halt wenig übrig. Außerdem stellte sich auch schnell heraus, dass R**B*** kein Interesse an einer kritischen Fanszene, wie der unsrigen, hat. Die wollen Zuschauer, die brav klatschen wenn ein Tor fällt und sonst den Mund nicht aufbekommen. So gesehen gab es dort unseren Verein nicht mehr und mit den Leuten kamen wir auch nicht klar. Der Abschied war demnach die einzige Option (Foto: Letztes Spiel vor Abspaltung).3_letztes_spiel_vor_abspaltung„UiSF“:
Gab es da kurzzeitig so etwas wie „Euphorie“ oder „Hoffnung“ auf eine gute Zukunft?

„UU’99“:
Ja, kurzzeitig. Unser Verein befand sich in den Jahren zuvor finanziell in keiner allzu rosigen Situation. Dem entsprechend war ein solventer Sponsor an und für sich natürlich willkommen. Recht bald folgten aber kritische Stimmen. Ich selbst war einer der ersten, der sich schon wenige Stunden nach der Übernahme Gedanken machte, in welcher Form R**B*** unserem Verein marketing-technisch nutzen würde. Das Ausmaß, das uns letztendlich ereilt hat, konnte ich mir damals freilich kaum vorstellen…

„UiSF“:
Es gab damals weltweit Solidaritätsbekundungen. Wie habt ihr das aufgenommen?

„UU’99“:
Das hat uns natürlich in unserer Sache bestärkt. Unzählige Kurven haben sich damals, an dem von uns ausgerufenen Aktionstag gegen den Marketingkonzern, beteiligt. An dieser Stelle noch einmal Vielen Dank dafür! Es war eine große Geste und hat gezeigt, dass Leute, die den Fußball verstehen und lieben ähnlich denken wie wir.

9„UiSF“:
Am 05.10.2005 wurde der SV Austria Salzburg, nach langer Überlegungen, neu gegründet. Wie habt ihr Fans euch im neuen Club eingebracht?

„UU’99“:
Am Anfang wurde alles von Fans organisiert. Nach der Abspaltung begannen wir, mit Daueraufträgen innerhalb unserer Gruppe, Geld zu sammeln, um die ersten Fanartikel der wiederauferstandenen Austria finanzieren zu können. Gastro, Ordnerdienst, die Pflege des Rasens bzw. die Markierungsarbeiten und alles was dazugehört wurde ehrenamtlich von Anhängern übernommen. Der erste Vorstand des Vereins bestand zu einem Großteil aus Vertretern unserer Gruppe und Mitgliedern der „Tough Guys Salzburg„, der zweiten, großen Gruppe in unserer Kurve.

21„UiSF“:
Gab es jemals Zweifel eurerseits, was die Neugründung angeht bzw. ob es der richtige Weg war?

„UU’99“:
Nein. Sicher hätte sich kaum wer gedacht, dass das Projekt sportlich so gut läuft, aber große Zweifel gab es nie. Wir wissen, dass wir die Guten sind!

7„UiSF“:
Nun steht ihr wieder vor der Tür „Profifussball“. Was ist das für ein Gefühl?

„UU’99“:
Es ist kaum zu glauben, dass wir uns in weniger als 10 Jahren den Weg von der 7. Liga in die 2. Liga gebahnt haben. Hoffen wir das Beste für die, sehr wahrscheinliche, Relegation. Im Falle der Relegation, werde ich kaum eine ruhige Minute haben, da mich die innere Anspannung und der zusätzliche organisatorische Aufwand für die zwei Relegationsspiele, kaum zur Ruhe kommen lassen werden. Unser beispielloser Weg hätte es sich, denke ich, verdient. (Anm. UiSF: Die Gruppe fährt nun mit zwei Bussen nach Wien, zum Relegations-Hinspiel am 02.06.2014)

16„UiSF“:
Für die Lizenz gibt es einige Auflagen. Eine ist u.a. das man 1.000 überdachte Sitzplätze haben muß. So entstand das Projekt „Eine Heimat für die Austria“. Erzähl uns doch bitte kurz davon.

„UU’99“:
Die Geschichte ist simpel: Seit der Neugründung sehen wir uns immer wieder mit dem Problem, des im Stadtgebiets Salzburgs nicht vorhandenen Bundesliga-tauglichen Stadions, konfrontiert. Um langfristig dafür zu sorgen, dass wir eine adäquate Heimstätte zur Verfügung haben, haben wir diesen Spendenfonds ins Leben gerufen. Wir wollen uns nicht auf die Politik und andere Gönner verlassen – wir nehmen das selbst in die Hand! Details dazu findet ihr unter www.hfda.at – wenn jemand das Projekt Austria Salzburg unterstützen möchte: Auf dieser Weise ist uns am meisten geholfen! Danke!

„UiSF“:
Wann wird die Austria wieder in der ersten Liga sein?

„UU’99“:
Das wird zu allererst davon abhängen, wie sich unsere Finanzen in der Zukunft entwickeln. Sollte die Austria in den kommenden Jahren auch von Seite der Sponsoren den Zuspruch bekommen, den sie verdient, halte ich alles für möglich.

„UiSF“:
Herzlichen Dank für das Interview, und für den Rest der Saison sowie die hoffentlich kommende Relegation, alles Gute und viel Glück!

„UU´99“:
Danke!

Mehr Bilder gibt es hier:

https://www.facebook.com/pages/Unterwegs-in-Sachen-Fussball/151354851606305

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