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28.10.2015 (20:30) SK Rapid Wien – SV Austria Salzburg 5:1 (Cup)

28.10.2015 (20:30)
ÖFB-Cup (1/8 Finale)
SK Rapid Wien – SV Austria Salzburg 5:1
Ernst-Happel-Stadion (Wien)
9.500 Zuschauer (ca. 2.000 Gäste)


Fotos: Ric & Ron
Text & Video: Ric

Video: https://www.youtube.com/watch?v=WJM7iq9hnpE&feature=youtu.be

Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe: „Rapid Wien vs Austria Salzburg!“ war auf meinem Handy – Display zu lesen. Diese SMS eines Freundes, unmittelbar nach der Auslosung, brachte mich sofort dazu, nach passenden Möglichkeiten zu suchen, wie ich am besten nach Wien komme. Ein Duell zweier so großer Traditionsclubs mit so starken Kurven kann man eigentlich garnicht „sausen“ lassen. Sowohl die Kurve von Rapid, als auch die „Curva Viola“ der Austria, gehören zur Creme de lá Creme des österreichischen Fussballs, und ihre Aktionen und Shows sind weit über die Landesgrenzen Österreichs bekannt. Über Zehn Jahre gab es dieses Spiel nicht mehr und beide Seiten schauten mit Vorfreude auf dieses Aufeinandertreffen. Schade nur, dass es dieses Duell nicht mehr im alten „Hanappi-Stadion“ gab. Rapid spielt ja bekanntlich während der Bauphase des neuen „Weststadions“ im Ernst-Happel-Stadion.

Bei der Austria regiert aktuell allerdings die Angst um die eigene Existenz. Die großen Jubelszenen, bei Rückkehr in den Profifußball nach langen zehn Jahren Abstinenz, sind verhallt und nun regiert die Angst. Die Angst, dass man dieses leidenschaftliche Märchen bald beenden muss. Die Austria hat immense Geldprobleme. Ein Aufsteiger hat es immer schwer, dazu kommt der Umbau im eigenen Stadion in Maxglan und der Umbau im „Ausweichstadion“ in Schwanenstadt wo die Risikospiele stattfinden sollten. Nun muss dort im Gästebereich plötzlich ein weiterer Umbau gemacht werden, der die Schulden weiter anheben würde. Das Spiel gegen den LASK wurde ja bereits auf November verschoben. Möglicherweise erwartet die Austria in diesem Zusammenhang noch eine empfindliche Strafe. Bei vielen Fans entwickelt sich eine „Jetzt erst recht!“ – Zuversicht. Eine Spendenaktion soll der erste Weg zur Rettung sein.

Wenn wir mehr als 10 Jahre in die Vergangenheit blicken, findet man die Szenen von Rapid und Austria im andauernden Duell um die Nummer Eins in Österreich. „Man muss ehrlicherweise sagen, dass Rapid immer die Nase vorn hatte“ antwortete mir ein Mitglied der Salzburger Fanszene. Trotz allem Respekt für die Geschichte, bzw. den Weg der Austria bleibt es für die Rapid – Fans immernoch der große Rivale aus vergangenen Tagen. So möchte man den Salzburgern zeigen, dass man noch immer die Nummer 1 in Österreich ist, während die Gäste zeigen wollen, dass man auch nach zehn Jahren in der Bedeutungslosigkeit fantechnisch immernoch zur Spitze des Landes gehört, wenn nicht sogar stärker als je zuvor ist. Man war gespannt, wie die Gäste die aktuelle Situation um ihren geliebten Verein verkraften würden.

Auch die Rapidler haben neben dem Fandasein im Stadion noch andere Themen die bewegen. So zb das Thema „Weststadion“. Wie jedem bekannt sein dürfte, wird auf dem Grund des altehrwürdigen „Gerhard-Hanappi-Stadion“ eine neue Heimat für den SK Rapid Wien gebaut. Positiv zu erwähnen ist die Tatsache, dass man weiterhin den Standort in Hütteldorf, im Westen Wien’s, behalten wird und nicht woanders, oder gar außerhalb der Stadt, eine typische Arena baut. Man bleibt mitten im Hütteldorfer Wohngebiet und sorgt so für manches Erstaunen, denn dieser Weg ist heutzutage alles andere als selbstverständlich. Auch wurden einige Wünsche der Fans berücksichtigt, damit es ein stimmungsvolles Zuhause werden kann, wie das alte „Hanappi-Stadion“ war. So gibt es z.B. nur einen Rang und in diesem keine Mundlöcher. Aber es gibt auch einen Fakt, den die Fans mit Argwohn betrachten. Wie woanders zumeist auch oft der Fall hat sich ein Sponsor die Namensrechte am Stadion gesichert (bis 2026). Dieser Fakt ist auf dauer für die SCR-Fanszene nicht hinnehmbar. So wurde das Projekt „Weststadion – Kampagne“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass das Stadion 2026, mit Ablauf der Namensrechte für besagten Sponsor, offiziell Weststadion heißt. Diesen Namen trug das alte „Hanappi“-Stadion bereits zur Eröffnung 1977. Tradition und Identifikation wird hier groß geschrieben. Und das ist auch gut so! Übrigens wird das Stadion in Europacup-Spielen auch vor 2026 „Weststadion“ heißen, denn bei UEFA -Veranstaltungen ist ein Sponsorenname im Stadionnamen untersagt. Der SK Rapid Wien gab den eigenen Fans bereits, im wahrsten Sinne des Wortes, grünes Licht, dass das Stadion in diesen Spielen zum „Weststadion“ wird.

Dieser Cupschlager ist für einige leider auch „nur“ ein Pokalspiel gegen einen Zweitligisten und es ist das 3. von 4 Heimspielen innerhalb von 9 Tagen. Und das direkt nach einer Niederlage im Derby gegen Austria Wien (1:2). Alles Fakten was einen zweifeln ließ, dass das Stadion auch nur etwas ansprechend gefüllt sein könnte. Leere Stadion sind dafür oft förderlich für die Stimmung der Fankurven. Und so war es gestern auch. 9.500 Zuschauer fanden den Weg ins Stadion, darunter ca. 2.000 Gäste. In einer „50.000er – Schüssel“ natürlich nicht viel, dennoch war die Atmosphäre gut. Für die aktiven Fans war dieses Spiel eben nicht das wöchentliche Ligaspiel. Endlich wieder das Duell Wien – Salzburg. Die Austria Fans sammelten sich vor ihrem Block und kurz nach 20 Uhr detonierte ein heftiger Böller im Gästebereich, was den Startschuss darstellte, zu einem Blocksturm anzusetzen. Einige Fackeln wurden gezündet und so machte man das erste Mal ordentlich auf sich aufmerksam. Die Austrianer hatten dabei weiße Überzieher an, welche wenig später Teil des Intros werden sollten. Beide Lager tauschten erste Schlachtrufe und „Liebesbekundungen“ schon vor Anpfiff aus. „Viola, Viola vaffanculo“ oder „Wien ist komplett Antiviolett“ auf Heimseite und „Salzburg ist komplett weiß-violett“. Das war auch das Motto, welches auf einem Banner vor dem Sektor prangte.

Als die Teams das Feld betraten, wurde im Heimbereich ein Folien-Banner mit der Aufschrift „SOIZBURGER OASCHLECHA“ präsentiert, hinter dem einige Fackeln angingen. Optisch gab dies ein nettes Bild ab. Im Gästebereich wurde „Weiß-Violett“ nun zum Intro-Motto. Die weißen Überzieher am Körper wechselten sich mit violetten Papptafeln ab, welche auf Kommando immer wieder hochgestreckt wurden. Nette Idee und gute Umsetzung. Beide Seiten lieferten sich nun ein ordentliches Gesangsduell. Die Salzburger waren im 3. Rang unterm Dach, was für die Akustik sicher etwas förderlich war. Stimmungstechnisch hatte der Gästemob überzeugt. „Wir sind Salzburger, keiner mag uns – scheissegal!“ oder „Wir haben Austria Salzburg im Herzen“ wurden beeindruckend laut ins weite Oval geschmettert. Auch so kann man der Curva Viola einen sehr guten Auftritt bescheinigen. Auch die Heimseite überzeugte mich. Gerade in Hälfte Zwei ging im Heimbereich gut die Post ab. Zu Beginn der zweiten Hälfte präsentierten die Salzburger eine sehenswerte Pyroshow. Vor dem Block prangte zudem ein Banner mit der Aufschrift „PLEITE ABER TROTZDEM GEIL“. Auch im Sektor der Wiener zeigte man später noch eine ansehnliche grüne Pyroshow hinter der mittlerweile allseits bekannten „WESTSTADION“ -Fahne. Optisch absolut sehenswert.

Auf dem Rasen zerlegte Rapid die tapferen Salzburger mit 5:1, auf den Rängen blieb alles beim alten. Beide Kurven zeigten bis zum Schluß eine ansprechende Form. Einige Spruchbänder gab es auf beiden Seiten über das gesamte Spiel über. Im Block der Rapidler machte man deutlich, dass man zwar Respekt für den Weg der Austria hat, aber der Hass dennoch weiterhin Bestand hat. Dies ist ja für die Gäste auch irgendwie eine Genugtuung. Mit dem Spruchband „Endlich seid´s es Beidln (Beidln = Schimpfwort) wieder da – In Salzburg nur die Austria!“ machte die SCR-Fanszene ihre Freude über die Rückkehr des einzig wahren Salzburger Clubs deutlich, und stichelte auch gleich noch gegen die Weiß-Violetten. „Behörden und Politik: Traditionsvereine und deren Fans zu schikanieren, ist euer Weg um unseren Fussball zu ruinieren“ hieß es auf einem weiteren Spruchband im Heimbereich. Wie passend! Spruchbänder im Gästebereich waren u.a. „Behördenwillkür und Auflagenscheiss – Wollt ihr uns zerstören um jeden Preis?“ Auch zum Thema „Weststadion“ äußerte sich die Curva Viola. „Die einzige Versicherung für Tradition: Weststadion!“ hieß es hier. Auch bei aller Rivalität – hier solidarisiert man sich und zeigt seinen Respekt für den Kampf des Rivalen. Desweiteren machte die „Curva Viola“ ihrem Unmut gegenüber dem eigenen Vorstand um den ehemaligen Obmann W. Windischbauer Luft. „Hausverbot für Windischbauer“ und „‚SpendenFürEureMisswirtschaft“ war hier zu lesen.

Als sich das Stadion nach Abpfiff leerte, mussten die Gäste noch im Block ausharren und sangen einfach weiter. Nochmal hieß es „Wir sind Salzburger…“. Am Ende kann man man zweifelsohne sagen, dass die Austria Anhängerschaft in Österreich immernoch ganz vorn mit dabei ist. Dieses Spiel hätte deutlich mehr Zuschauer verdient. Abschliessend kann man nur hoffen, dass die Salzburger die schier unüberwindbare Schuldenmauer irgendwie überwinden können und den Kampf gegen die Behördenwillkür annehmen und für sich entscheiden. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!

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