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21.02.15 (17:45) Grasshopper Club Zürich – FC Zürich 0:2

21.02.15 (17:45)
Super League
Grasshopper Club Zürich – FC Zürich 0:2
Stadion Letzigrund
9.400 Zuschauer

Das 240. Zürcher Derby stand an. 240 Mal Grasshoppers vs FCZ, und umgekehrt. Seit 2007 wird dieses Spiel im für die EM 2008 neu errichteten „Letzigrund“ ausgespielt. Als „Heimat“ sehen die GCZ-Anhänger das „Letzigrund-Stadion“ nicht an. Heimatgefühle kommen bei ihnen nur etwas nordwestlich vom Letzigrund, auf der anderen Seite der Gleise auf. Hier stand bis 2008 das legendäre Hardturm-Stadion. Knapp 80 Jahre lang war dies die Heimatstätte des GC. Dieses Geschichtsträchtige Stadion hatte einige Niederschläge erleiden müssen. 1934 und 1968 brannte die Haupttribüne nieder. In beiden Fällen konnte die Ursache nie geklärt werden. Im September 2007 spielte der GC das letzte Mal in seinem Heimatstadion. Dieses Spiel ging mit 1:2 gegen Neuchâtel Xamax verloren. Auch heute noch erinnern viele Choreografien etc. an die alte Wirkungsstätte der Grasshoppers. Beim heutigen Derby gegen den FCZ prangte vor dem GC-Sektor ein Banner mit der Aufschrift: „Trotz Exil – A Jedem Spiel„. Mittig war das alte Hardturm-Stadion abgebildet. Dies zeigte einmal mehr, wo „Heimat“ für die GC-Fangemeinde ist. Man verzichtet im Letzigrund auch auf optisch große Aktionen wie Choreografien. Beim FCZ ist das ganze natürlich anders. Die „Zürcher Südkurve“ ist im „Letzigrund“ zu Hause und präsentiert dort ihr gesamtes Repartoire an Tifo, Gesängen, Choreografien und fantastischen Pyroshows. Der Vorgänger des Neubaus stand von 1925 bis 2006. Dies war schon damals die Heimat des FCZ. Beide Stadien haben immer nur die Gleise getrennt, was zur eh schon vorhandenen Rivalität noch eine gewisse Prise Pfeffer zugab. Wechselten Spieler die Seiten, hieß es „Über die Gleise wechseln“. Die Geschichte der Rivalität zwischen beiden Clubs ist sehr lang. Der GC wurde 1886 gegründet und nahm die Farben der Stadt Zürich an. Der FCZ wurde 1896, also zehn Jahre später, gegründet und hatte anfänglich die Farben Rot-Weiß. Als der GC 1909 zwischenzeitlich aus dem Schweizerischen Fussballverband austrat, änderte der FCZ kurzerhand seine Farben ebenfalls in Blau und Weiß, was zu Missstimmigkeiten führte, da diese Farben traditionell die des GC waren. Fortan übertrug sich die Rivalität auch außerhalb des Stadions. Die Anhängerschaft des GC war eher der bürgerlichen Schicht zuzuordnen, während der FCZ eher von Arbeitern und Bauern unterstützt wurde. Was die Statistik angeht ist der GC noch in Front. Von den 240 Duellen gewann der GC ganze 117, während der FCZ 84 Mal als Sieger vom Platz ging. Am gestrigen Abend hatte der FCZ, welcher in der aktuellen Tabelle weit vor Rekordmeister GC steht, die Nase vorn. Während man beim FCZ nach Europa schielen kann, geht beim GC die Abstiegsangst um. Nur noch 4 Punkte fehlen zum letzten Platz. Unvorstellbar, dass solch ein Traditionsclub, welcher sich neben „Rekordmeister“ auch „Rekordpokalsieger“ nennen darf, in die zweite Liga absteigt. Hier noch zwei Bilder des alten Hardturmstadions. Das erste ist ein aktuelles. Zweites Foto: www.gc-zone.ch

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Für das heutige Derby machten beide Seiten wieder einen Marsch. Die GC Fans trafen sich am alten Hardturm-Stadion und marschierten über die Duttweilerbrücke zum Stadion. Die FCZ Fans trafen sich auf der „Fritschiwiese“ und hatten den Weg über die Badenerstr. anvisiert. Am Stadion kam dieser Marsch jedoch nicht wirklich an. Aber der Reihe nach. Die GC Fans liefen unter Rufen gegen den Rivalen, und für den eigenen Club, die Brücke hinunter und wollten den direkten Weg zum Stadion wählen. Dieser wäre einfach ein Häuserblock weiter, zu genau der Ecke an der auch direkt der Eingang der Gästefans war (wo sich übrigens zu diesem Zeitpunkt schon etliche Fans des GC rumtrieben) geradeaus gewesen. Die Cops versperrten, warum auch immer, den Weg und so mussten die schätzungsweise 500 – 600 Fans, einen völlig unerklärlichen Umweg in „U-Form“ laufen und kamen schlussendlich an besagter Ecke an. Der Grund für diesen „Umweg“ war mir völlig schleierhaft. Die FCZ Fans hatte man zu diesem Zeitpunkt schon eingekesselt (dazu später), und so kann man diesen „Mehrweg“ eigentlich garnicht erklären. Die Cops, welche direkt Gummischrot einsetzten als die GC Fans von der Brücke kamen und einfach geradeaus wollten, wirkten an diesem Tage völlig unentspannt und ich hatte das Gefühl dass man hier einer Art geplanter Operation nachgeht. Es ging keinerlei Aggression von den GC Fans aus. Klar, diese waren nicht erfreut über die Sperre und machten ihrem Unmut verbal (!!!) Luft. Kein Grund direkt mit Gummischrot umher zu ballern. Deeskalation wurde hier „ganz groß“ geschrieben. Auch beim Marsch der FCZ Fans passierten merkwürdige Dinge. Ich trieb mich schon lange vor dem Ankommen der Fans auf der Badenerstrasse herum. Da fielen mir in der Norastraße, direkt um die Ecke vom „Matratzen Concord“, schon ein bereitstehender Wasserwerfer, sowie mehrere (5-6) dieser Absperrwagen auf. Die Absperrwagen werden, wie der Name schon sagt, als Abserrung genutzt. Das vor dem Auto befestigte Gitter ist aufklappbar, und kann so mit mehreren Autos nebeneinander als Straßensperre eingesetzt werden. Noch bevor der Marsch zu sehen war, machten sich die Cops bereit, und legten Helm und Kampfausrüstung an. Der Marsch war nun zu sehen. Einige Bengalos, vielleicht ein halbes Dutzend, wurden gezündet, zudem auch einige Böller und 3-4 Rauchfackeln. Die Straße wurde für die Fans abgesperrt und so zog der Tross Richtung Stadion. Keinerlei Anzeichen von Gewalt etc. ging vom Mob aus. Als die Fans kurz vor der bereits beschriebenen Norastraße waren, versteckten, ja versteckten, sich die Cops, mit Gewehr (Gummischrot) direkt um die Ecke, so als würde man die Fans erschrecken wollen. Als der Tross kurz vor der Norastraße, auf Höhe des „Matratzen Concords“ war, ging plötzlich alles ganz schnell. Die Cops stürmten auf die Badenerstraße und machten den Fans klar, dass sie zu stoppen haben. Die Absperrwagen wurden ebenfalls rangekarrt und auch ein Wasserwerfer durfte nicht fehlen. Die Gitter der Wagen wurden ausgebreitet und machten den Fans ein Durchkommen unmöglich. Der Wasserwerfer lud schonmal durch, in dem er Druck aufbaute (Wasser wurde nach hinten weg gespritzt). Das ganze übrigens bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Was war hier los? Krieg? Da marschierten Fans ÜBLICHERWEISE (!!!) zum Stadion und die Cops gingen hier vor, als hätte man es mit Schwerkriminellen, gar mit Terroristen, zu tun. Das ganze wurde noch abstrakter, als das ganze auch von hinten prakiziert wurde. Die etwa 800 Fans waren nun von allen Seiten eingekesselt, ohne Chance auf „Freiheit“. Gedanken, dass hier auch Mädels/Frauen und eventuell Kinder dabei sein könnten wurde völlig beiseite geschoben. Was soll diese Maßnahme? Okay, es wurde verbotenerweise etwas (!!!) Pyrotechnik gezündet. Aber warum werden 800 Fußballfans festgehalten wie Treibvieh? Das ganze erscheint mir schon im Vorfeld geplant zu sein, will man vielleicht sein „Hooligan Konkordat“ rechtfertigen. Grundrechte schienen hier an dieser Stelle „fremd“ zu sein.

Ich entfernte mich vorerst, um mir den GC Marsch anzusehen. Ich ging davon aus, dass man die Fans nur „kurz festhalten“ würde, und sie später ins Stadion lassen würde. Aber weit gefehlt. Im Stadion angekommen, sah ich, wie die FCZ Fans ihre Fahnen und ein Teil der Choreografie abbauten, bzw. entfernten. Plötzlich leerte sich der Block. Ein Banner mit der Aufschrift „Und nomal… Polizei Staatt Stimmig“, welches ein zutreffendes Wortspiel ergab. Es machte die Runde, dass die festgesetzten Fans nicht ins Stadion dürfen und sich zudem einer ID-Kontrolle unterziehen mussten. Nach dem Spiel wollte ich mir die Situation vor Ort nochmal ansehen, und siehe da – der Kessel war zwar kleiner, aber immernoch vorhanden. Etwa 150 Fans waren zu diesem Zeitpunkt noch darin gefangen und weiterhin nur willkürlich einzeln ausgelassen worden, um sich einer ID Kontrolle (inkl. Foto) zu unterziehen. Der noch eingekesselte Mob wurde immer wieder noch mehr eingeengt, indem die Absperrfahrzeuge ihre Position korrigierten. Die Straße sah mittlerweile aus, wie ein Schlachtfeld. Überall lagen Steine, Flaschen, umgekippte Mülltonnen und teilweise Stühle und Tische. Der Duft von Tränengas lag ebenfalls in der Luft, was vorbeikommenden Passanten einen tränenreichen Moment bescherte. Was war hier nur passiert?! Die Medien machen es sich, wie immer, einfach. „Heftige Ausschreitungen“ (tagesanzeiger.ch), „Heftige Ausschreitungen mit Verletzten“ (SWI24), „Ausschreitungen nach Zürcher Derby“ (Basler Zeitung) waren nur einige der auserwählten Überschriften. Der Allgemeinheit wurde einmal mehr das Bild von zerstörerischen Fussballfans präsentiert. Der Schrecken ist groß. Doch nach der Ursache des Ganzen fragt kaum jemand. Wie kam es denn dazu? Alles verlief, für ein Derby, relativ normal ehe der Staatsapperat groß aufspielte. Man sollte dazu wissen, dass es in der Schweiz ein sogenanntes „Hooligan Konkordat“ gibt, was der Polizei allerhand Rechte einräumt. So kann die Polizei sogar ein ganzes Fussballspiel alleine absagen. Wie es in der Schweiz weitergeht, weiß man aktuell nicht. Gut sieht es jedenfalls nicht aus. Die FCZ-Fans befürchten nun, dass es gar ein Rayon-Verbot für alle festgehaltenen Person geben könnte. Dieses bedeutet dass man sich in einem bestimmten Gebiet nicht aufhalten darf. Zum Beispiel in einem bestimmten Umkreis um das Stadion. Was dies für die Fanszene des FCZ bedeuten würde, kann man sich ausmalen.

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3 Gedanken zu „21.02.15 (17:45) Grasshopper Club Zürich – FC Zürich 0:2

  1. Die bisher beste beschreibung eines neutralen! Endlich liest man im Netz die Wahrheit, nicht wie die Medien alle berichten. Grosses Dankeschön. Grüsse aus dem FCZ-Kessel

  2. Es ist wie in einem Polizeistaat und sowas nennt sich freie Schweiz. Man getraut sich schon gar nicht mehr an ein Spiel. War 20 Jahre an jedem Spiel des FCZ aber heute kann man sich nicht mehr frei im Stadion bewegen überall Absperrungen. So macht es keinen Spass mehr.

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