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13.09.2015 (13:30) SpVgg Fürth – 1. FC Nürnberg 3:2

13.09.2015 (13:30)
2. Bundesliga
SpVgg Fürth – 1. FC Nürnberg 3:2
Sportpark Ronhof
17.200 Zuschauer (ca. 2.800 Gäste)

Es ist das traditionsreichste Derby Deutschlands. Kein Duell zweier Nachbarn ,bzw. Lokalrivalen, ist älter. Das Frankenderby ging am vergangenem Wochenende in seine 259. Auflage und warf schon die Tage zuvor seine Schatten voraus. Fans und Anwohner wurden auf umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen („Damit alles wie gewohnt ablaufen kann, Eskalationen vermieden werden und Fußballfans unverletzt bleiben, werden die Polizeimaßnahmen verschärft“, heißt es auf www.nordbayern.de, wo es sogar von morgens an einen Live-Ticker gab) hingewiesen. Die Fangemeinde des FCN plante zu diesem Derby, anders als sonst, eine Anreise mit dem Rad. Für die „Giro di Norimberga“ rüherte man kräftig die Werbetrommel. Am Spieltag konnte man schon früh morgens in viele FCN-Fans sehen, welche sich per Rad zum Treffpunkt am Westfriedhof aufmachten. Auch Auswirkungen des Sicherheitskonzepts waren hier bereits zu spüren. Die U-Bahnlinie 6 wurde ab „Hallerstr.“ ausgesetzt. Ganze 4 Haltestellen vor Endstation Westfriedhof. Vier Haltestellen wegen vielleicht 1000 Fussballfans? Hätte es nicht auch eine Haltestelle getan? Auch in Fürth waren Polizeiwagen das erste, was man sah, wenn man den Bahnhof verließ. Die Fans der Spielvereinigung sammelten sich am Rathaus, um von dort zum Stadion zu laufen. „Diese Plakate hängen an vielen Orten in der Stadt. Fünf Euro kostet die Teilnahme – dafür gibt es rot-schwarze Einheitskäppchen, die übrigens gerade vor Ort am Westfriedhof verteilt werden. „, schrieb nordbayern.de um 09:48 Uhr.

Die „Einheitskäppchen“ waren rot-schwarze Fischerhüte, welche reißenden Absatz fanden. Als der Tross von knapp 1000 Fans um kurz nach 10 Uhr los radelte , waren die Kleeblatt-Fans noch am Rathaus. Dort ging es gegen 11 Uhr auf die Straße und Richtung Stadion. Die FCN Fans waren schon einige Hundert Meter vor Ziellinie zu hören. „Tod und Hass dem Kleeblatt Fürth“ schepperte es die lange Straße entlang. „Hier regiert der FCN“, wurde gleich hinterher gerufen. Anwohner reckten ihre Köpfe vorsichtig aus den Fenstern und auch an der Straße standen einige Schaulustige. Als der rote-schwarze Pulk vorbei fuhr, konnte man erst erkennen, wie lang sich das Feld hinzog. Diese Art der Anreise kann die Glubb-Szene als vollen Erfolg werten. Nahezu jeder hatte ein rotes Shirt an und den bereits erwähnten Fischerhut auf. Die Fahrräder wurden auf dem Ikea-Parkplatz abgestellt und von dort ging es geschlossen zum Stadion. Auf dem Weg mussten die Fans durch mehrere Sicherheitsringe hindurch. Wegen „Vorkomnissen“ zuletzt, haben sich beide Vereine darauf geeinigt das die jeweilige auswärtige Anhängerschar ein Verbot für Choreografien und weitere Materialien auferlegt bekommt. Nun mußten die Nürnberger also als Erstes dieses Materialverbot hinnehmen. Große Zaunfahnen waren ebenfalls verboten, allerdings konnte die Szene des FCN dies umgehen und sowohl die „Ultras Nürnberg“ als auch die „Banda di Amici“ Fahne konnte an den Zaun gehangen werden. Zusätzlich hingen einige kleinere Fahnen. Die Fürther Fanszene hingegen hatte eine größere Choreografie geplant und vorbereitet.

Als die Mannschaften das Spielfeld betraten, gab es auf den Rängen ein Duell der Extreme. Auf Heimseite präsentierten die Fürther eine minutenlange mehrteilige Choreo, im Gästeblock gab es eine Protestaktion. „Meldeauflagen, Stadtverbote, Stadionverbote, Choreoverbot – Erst wenn wir weg sind, seht ihr wie wichtig wir waren“, hieß es im Block der Nürnberger. Einem aktiven Fussballfan blutet das Herz, denn fantastische Choreografien sollten zum Fussball dazugehören wie Tore. Undenkbar, dass solche Maßnahmen fester Bestandteil werden. Im Anschluß an diese Aktion wurden rot-schwarze Fahnen und einige Fahnen mit der UN-Sonne geschwenkt. Die Nürnberger Fanszene musste also bei eigenem Verbot schmerzhaft mit ansehen, wie gegenüber die Choreo der Rivalen gezeigt wurde. Die Choreo der Kleeblatt-Fans drehte sich ausschliesslich um den 5:1 Derbysieg aus dem Vorjahr. Die komplette Tribüne wurde mit runden Folien, in grün und weiß, eingedeckt auf denen „257. Frankenderby, 5:1 und 11.08.2014“ stand. Diese wurden hochgehalten. Mittig wurde eine das Derby nachgestellt, indem alle 5 Tore nacheinander dargestellt wurden. Den Abschluß bildete eine Szene aus einer Kneipe, in der ein Fürther den Jacky (UN Logo) mit 5 Bieren unter den Tisch gesoffen hatte, und Jacky beim Ersten schon umkippte. Passend dazu prangte vor der Tribüne der Spruch: „Euch schwanzma´aff´n Bierfilzla“. Die runden 5:1-Folien wurden dann in tausende Kleeblatt-Fähnchen getauscht und diese dann geschwenkt. Insgesamt gab dies ein sehr gutes Bild ab und auch die Umsetzung klappte beinahe perfekt. Rechts, vom Rasen aus gesehen, waren die Fähnchen zu früh im Einsatz und als dies auf der kompletten Tribüne der Fall war, waren sie dort schon wieder fast weg. Die Idee, den letzten Derbysieg als Motiv für eine weitere Derby-Choreo zu nehmen ist wohl ein Novum, und auch sehr mutig. Man stelle sich vor, das Spiel an diesem Tage geht 0:4 für die Nürnberger aus. Größer könnte eine Schmach dann wohl kaum sein. Am Ende feierten jedoch die Hausherren, und so dürften einige Angstperlen auf den Stirnen der Kleeblättler verschwunden gewesen sein. Was etwas überraschte, war der Fakt, dass sich die Fanszene der Hausherren überhaupt nicht zum Thema Materialverbot im Gästeblock äußerte. Immerhin betrifft es die Fürther beim Rückspiel ebenso. Stimmungstechnisch haute der Gästeblock zu Beginn ein paar krachende Töne raus und konnten nach dem frühen Tor in der 7. Minute mit einem abartigen Torjubel aufwarten. Wer dachte jetzt rasten die FCN-Fans im positiven Sinne richtig aus, sah sich getäuscht. Der Anhang tat sich erstaunlich schwer. Die Mitmachquote beschränkte sich bei einigen Liedern auf die untere Hälfte des Blockes. Es ging mal hoch, und mal runter. Sehr schwankender Auftritt der Nürnberger, die die Messlatte im Vorjahr jedoch sehr sehr hoch gelegt hatten. Im Vorjahr hatten die Nürnberger einen fantastischen Auftritt in Fürth gehabt. Nun kommt neben der sportlichen Tristesse noch die Verbote dazu, was die Motivation für ein Derby im Rahmen ließ. Nach dem zwischenzeitlichen 2:2 drehte der Gästeblock nochmal mächtig auf, um wenig später, als die Hausherren in der 92. Minute das 3:2 Siegtor machten, in kollektive Schockstarre zu verfallen.

Die Hausherren waren gepusht von einer gelungenen Choreografie zu Spielbeginn auch gut mit dabei. Hier beschränkte sich die Mitmachquote jedoch schnell auf den aktiven Kern hinter der Gruppenzaunfahne der „Horidos“. Nur selten konnte man in Hälfte Eins die äußeren Drittel der Tribüne mit einbeziehen. Bei Bekannten Liedern und Schlachtrufen stiegen auch andere Teile mit ein. Einmal, nach dem 3:2, war das ganze Stadion am singen. Die aktive Szene war nahezu ständig aktiv und bemüht, hatte jedoch das Problem, dass man sich wegen fehlender Masse und melodischem Liedgut wenig Gehör auf der anderen Stadionseite verschaffen konnte. Die Hausherren hatten extra einen dritten Vorsänger „installiert“, doch die Beteiligung in „seinem Bereich“ hielt sich trotz vieler Bemühungen offensichtlich in Grenzen. In der zweiten Hälfte, als auch das Spiel Fahrt aufnahm, drehte die weiß-grüne Anhängerschaft auf, und konnte, vorallem bei Klatscheinlagen, weite Teile der Tribüne mit einbeziehen. Nach dem Siegtreffer, gab es kein Halten mehr. Der Zaun wurde geentert und das eigene Team gefeiert. Die Fürther rollten nach Abpfiff ein Spruchband aus, welches eine Anspielung auf die Choreo der Nürnberger beim Heimspiel gegen Düsseldorf war. „Eure Augen sehen es doch euer Verstand kann es nicht fassen. Schon wieder…“. Dazu saßen einge Fürther mit einer „Derbysieger“-Fahne auf dem Zaun. „Scheiss Radler“ stand auf einem anderen Spruchband der Hausherren. Auf Gästeseite gab es ebenso Spruchbänder. U.a. war hier „Uns trennen nur 2 Flugminuten – dennoch seid ihr Lichtjahre von uns entfernt“ zu lesen. Außerdem gedachte man einem verstorbenen FCN Fan mit „Ruhe in Frieden Kulle“ .

Fotos: Micha & Ric
Text: Ric

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