DSC00003

10.05.2015 (16:00) FC Zürich – FC Basel 1:2

10.05.15 (16:00)
Super League
FC Zürich – FC Basel 1:2
Stadion Letzigrund
11.569 Zuschauer (ca. 2.500 Gäste)

Diese ohnehin schon brisante Begegnung hatte noch zusätzlich Pfeffer drin, da der FC Basel, einen großen Schritt Richtung Meisterschaft gehen konnte, und der FCZ immernoch um die Europapokalplätze spielt. Für eine vorzeitige Meisterschaft für den FCB hätten die Young Boys Bern allerdings ihr eigenes Spiel verlieren müssen. Diesen Gefallen taten die Young Boys dem FCB allerings nicht und gewannen das eigene Match gegen St. Gallen mit 3:1. Die wiederum sind ärgster Verfolger des FCZ im Kampf um die Europapokal-Startplätze. Der FCZ strauchelt seit Wochen (inkl. der Pokalniederlage gegen Sion nur 1 Remis und 1 Sieg aus den letzten 10 Spielen). Da die Bilanz von St. Gallen nur bedingt besser ausfiel (1 Sieg mehr) traben beide nahezu gleichauf Richtung Zielgerade. Der FCB gewann das Spiel beim FCZ durch ein umstrittenes Tor in der 94. Minute mir 2:1.

Auf den Rängen hatten beide Seiten ihre Höhen aber auch Tiefen. Auf Heimseite überzeugte die Zürcher Südkurve vor allem mit einem schönen Torjubel zum zwischenzeitlichen 1:1 und generell in Halbzeit Zwei etwas mehr, auch wenn bekanntermaßen insgesamt deutlich mehr Potenzial vorhanden ist. Es wurde zwar größtenteils das ganze Spiel über gesungen, doch die sonst gewohnte Lautstarke und große Emotionen waren, vor allem in der ersten Hälfte, nicht zu bestaunen. Hierfür gibt es sicherlich auch aktuelle Gründe (zb. Repressionen), zu denen ich später noch komme. Die zweite Hälfte war dies deutlich besser und zum Ende hin stieg die Dezibelzahl nochmal ordentlich an. Die Gäste konnten mit fast durchgängigem Support aufwarten. Man riss zwar keine Bäume aus doch die Mitmachquote, vor allem bei Klatscheinlagen, war schon recht hoch. Die Laustärke blieb jedoch etwas auf der Strecke, was aber auch am Stadion liegt. Durch die Laufbahn geht da einiges verloren. Beide Seiten setzten zudem einige Male Pyrotechnik ein.

Die hiesigen Medien hatten im Vorfeld einen Fankrieg heraufbeschworen. Am Ende des Tages müssen sie ihre Seiten mit anderen auflagesteigernden Dingen füllen, denn zu einem Krieg kam es nicht. „HOCHSICHERHEITSSPIEL“ war immer wieder zu lesen und auch im Radio und TV zu hören. Am Ende war es ein völlig normales Fußballspiel zweier Clubs die eine ausgewachsene Rivalität pflegen.

Allgemein haben Fans in der Schweiz aktuell nicht viel zu lachen. Neben dem in Fankreisen mehr als umstrittenen „Hooligan Konkordat“, welches der Polizei u.a. die Macht einräumt, eigenständig ein ganzes Spiel abzusagen oder präventiv ganze Fanblöcke zu sperren – wie vor kurzem in Aarau geschehen, haben die Fans jetzt mit einer neuen Form der Überwachung zu tun. „Focus One“ heißt dieses Projekt. Eine externe Privatfirma, welche von der SFL (Swiss Football League) beauftragt wird, soll sich um eine intensivere Überwachung, vor allem von Auswärtsfans, kümmern. Offiziell heißt es: „Nur bei Ausschreitungen“ und außerhalb des Stadion („… von auswärtigen Fans AUF DEM WEG ZUM STADION…“ – SFL-Präsident Heinrich Schifferle). Allerdings gibt es einige Stimmen, die sich gegen das Projekt aussprechen. Zurecht, wie ich finde.

Jeder weiß wie Presse, TV-Teams oder andere Kameraleute auf Fans wirken. Diese Teams sollen in 3er Teams (1 Fotograf & 2 Filmer) auflaufen. Zum anderen kann den Fans doch niemand versichern dass nicht willkürlich zur Kamera gegriffen wird. Wer kontrolliert dieses Prozedere? Was passiert mit den Bildern? Wie lange werden diese aufgehoben? Laut SFL „nicht länger als nötig“. Konkrete Antwort. All das sind Fragen, und es sind nur wenige, die sich die Fans stellen. Die SFL hat dieses Projekt im übrigen bereits Mitte März eingeführt, und erst am vergangenen Dienstag (05.05.15), also fast 8 Wochen nach inoffizieller Einführung, auf einer PK in Bern öffentlich gemacht. Die Teams sind durch die SFL selbst finanziert (Kosten: 100.000 Schweizer Franken) und gehören zur selben Firma, die sonst Sozialhilfe-Betrüger filmen und entlarven (…)

Die Überwachungsmannschaften kamen bisher bei sieben Spielen in Liga und Pokal, in Absprache mit den örtlichen Behörden, zum Einsatz. Dabei wurden bisher 35 Vergehen, davon alleine 26 beim Spiel FC Basel – FC Zürich am 12. April, festgehalten und den Strafverfolgungsbehörden übergeben. Bisher wurde auf öffentlichem Land KEINE Gewaltakte festgehalten. Nun also ausnahmslos IM STADION („… von auswärtigen Fans AUF DEM WEG ZUM STADION…“ – SFL-Präsident Heinrich Schifferle). Die Liga hat vom eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Richtlinien erhalten.“Wenn Private heimlich Videoaufnahmen von Personen machen, ist dies grundsätzlich heikel“, teilte Francis Meier (Sprecher des Datenschutzbeauftragten) mit.

Die SFL plant zudem unter dem Motto „Good Hosting“ einen entspannten Empfang der Auswärtsfans im Gästesektor. So will man für die Eingangskontrollen auf Uniformen verzichtet, und damit verhindern, dass es aus „nichtigem Anlass“ (Zitat SFL) zu Eskalationen kommt. Eine Eskalation durch diese Überwachungsteams nimmt man anscheinend billigend in Kauf.

Beim Spiel des FC Zürich gegen den FC Basel fiel mir ein Herr auf der Tribüne auf, welcher mit einem riesigen Teleobjektiv, wie es die Sportfotografen nutzen, immer wieder und dauerhaft in beide Fanblöcke hielt. Ob dieser Herr zum Projekt „Focus One“ gehörte, weiß ich nicht, doch es könnte gut möglich sein. Es wurde auch einige Male durch den Sucher geschaut, als im Fanblock nichts nennenswertes geschah(…). Bis auf den Einsatz von verhältnismäßig wenig Pyrotechnik auf beiden Seiten und einigen Böllern (darauf kann gern verzichtet werden) vor der Zürcher Südkurve „passierte“ nichts von dem was sich die Medien in den Tagen vor dem Match ausmalten.

Dieses Projekt gilt eindringlich hinterfragt zu werden. In Gesprächen mit einigen Fans verschiedener Lager, war das Fazit immer das selbe. Die Sache kann nur nach hinten losgehen und wirkt zusätzlich eskalierend. Damit schadet man vor allem der breiten Masse an Fans die ihrem Verein Woche für Woche durch das Land folgen. Immer wieder wird im Zusammenhang mit „Focus One“ das Spiel des FC Zürich in Basel am 12.04.15 (http://www.uisf.de/12-04-2015-1600-fc-basel-fc-zuerich-51/) gebracht. Die Medien überschlugen sich mal wieder förmlich mit Superlativen im negativen Bereich. Klar, Sitze rausreißen und diese, sowie einige Fackeln, im hohen Bogen aus dem Block Richtung Spielfeld zu werfen ist nicht gut zu heißen, und diese wenigen Leute gehören auch zur Rechenschaft gezogen. Aber warum werden etwa 99% der anderen Fans, welche an diesem Tage zwar heißblütig aber dennoch im Rahmen des friedlichen agierten, bestraft indem man die komplette Fanszene des FCZ zb. in Aarau aussperrte oder nun dieses „Focus One“ Projekt in die Runde wirft?

Für mich als Außenstehenden kommt es vor, als hätten sich Medien, Liga und Sicherheitsorgane massiv auf die Fans eingeschossen. Meine letzten Besuche in der Schweiz haben mich immer mehr in diesem Denken bestärkt. Negativer Höhepunkt wird weiterhin der Polizeikessel bleiben der beim Zürcher Derby im April (http://www.uisf.de/21-02-15-1745-grasshopper-club-zuerich-fc-zuerich-02/) 800 Fans einen Eintritt ins Stadion nicht möglich machte. Am Ende des Tages sorgte man mit dieser völlig unverhältnismäßigen Maßnahme dafür, dass es eine stundenlange Straßenschlacht gab. FCZ Anhänger, welche nicht im Kessel waren, versuchten ihre Freunde zu befreien. Käme hier das „Focus One“ – Team zum Einsatz, hätte man seine Bilder gehabt, doch wäre der Grund für diese Szenen nicht dokumentiert worden.

Die Schweizer Fankultur steht vor einer schweren Geduldsprobe. Wohin der Weg führt ist offen. Gut sieht es aktuell nicht aus, doch ich hoffe dass man sich mit allen erlaubten Mitteln gegen diese Willkür und Überwachung wehrt!

Fotos & Text: Ric

DSC00003 IMG_4538 IMG_4544 IMG_4548 IMG_4555 IMG_4567 IMG_4570 IMG_4597 IMG_4611 IMG_4613 IMG_4668 IMG_4678 IMG_4697

Schreibe einen Kommentar