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10.01.2015 Hallenturnier „Fotbal fără patroni“, in Sibiu (Rumänien)

10.01.2015
Hallenturnier „Fotbal fără patroni“
Sala Transilvania, Sibiu/Hermannstadt (Rumänien)

Fanblöcke:
LSS Voința Sibiu (150)
ASU Politehnica Timișoara (300)
FC Argeș 1953 (50)
FC Vaslui 2002 (20)

„Poli Timișoara – Vorbild für das ganze Land“ hieß es auf einem Spruchband der Sibienii. Am Samstag hatten sie, die Fans von LSS Voința Sibiu, zum „Fußball ohne Patron“-Turnier eingeladen (Fotbal fără patroni).
Die Unzufriedenheit der Fans im ganzen Land ist groß. Einnahmen aus Spielertransfers fließen in die Taschen von Präsidenten und Spielerberatern, Ergebnisse werden abgesprochen und große Klubs wie Universitatea Craiova und UTA Arad, aber auch langjährige Erstligisten wie Politehnica Iași oder Jiul Petroșani sind in der fußballerischen Bedeutungslosigkeit verschwunden, so sie denn nicht gleich ganz aufgelöst wurden. An ihre Stelle treten Mannschaften wie Săgeata Năvodari oder FC Viitorul, die ihre Spiele vor wenigen hundert Zuschauern austragen. Im Durchschnitt besuchen nicht einmal mehr 3.700 Menschen die Erstligaspiele, so wenig wie noch nie.
Als Gegenbewegung haben in den letzten drei Jahren Anhänger die selbstverwalteten Vereine FC Argeș 1953, FC Vaslui 2002 und eben Politehnica Timișoara gegründet.

Die Jungs und Mädchen aus dem westrumänischen Timișoara waren im Sommer 2012 die ersten, welche sich vom kommerzialisierten Fußball abwandten. Dabei hatten sie in den vergangenen Jahren schon mehrere bittere Rückschläge verkraften müssen. Zunächst stieg die Mannschaft sowohl 1994 als auch 1997 aus der Divizia A ab, ehe Eigentümer Claudio Zambon 2001 nach Streitigkeiten mit der Stadtverwaltung den Klub nach Bukarest übersiedelte. Zur Saison 2002-03 sollte dann ein neues Team als FC Politehnica AEK Timișoara an die 80-jährige Geschichte der alten Viola anknüpfen. Als FC Timișoara wurde die Mannschaft nach der Vizemeisterschaft 2011 jedoch in die Liga II strafversetzt und durfte aufgrund offener Verbindlichkeiten in der Folgesaison trotz sportlicher Qualifikation nicht ins Oberhaus zurückkehren. Eigentümer Marian Iancu entschied sich daraufhin den Klub aufzulösen und zusammen mit Aufsteiger AC Recaș, welcher die Zweitligalizenz beisteuerte, den ACS Poli Timișoara zu gründen. Für die aktiven Anhängern der Viola war hier das Ende der Fahnenstange erreicht, auf zahllosen Häuserwänden prangerte im Sommer 2012 die Floskel „AC Recaș ist nicht Poli“. Noch im Juli begannen die letztendlich erfolgreichen Verhandlungen der Fans mit der Universitätsleitung zur Übernahme der fünftklassigen Universitätsmannschaft, sodass die Jungs und Mädchen der Curva Sud schon ab Herbst „Poli“ wieder leidenschaftlich nach vorne schreien konnten.

Ein rasante Geschichte erlebte der erst 2007 gegründete CSU Voința Sibiu. Bis zur Saison 2011-12 gelang der Aufstieg aus der Kreisliga Sibiu bis in Fußballoberhaus. Die Klasse konnte jedoch als drittletzter nicht gehalten werden, und schon während der folgenden Zweitligasaison löste sich der zwischenzeitlich in die Insolvenz abgerutschte Verein wieder auf. Die aktiven Fans gründeten allerdings umgehend die Vereinigung „Liga Suporterilor Sibieni“, die schon zur Saison 2013-14 ein eigenes Team in der vierten Liga an den Start bringen konnte. Nach einem wenig erfolgreichen ersten Jahr, spielt man nun in dieser Saison vorne mit, ohne jedoch Chancen auf den Aufstieg in die überregionale Liga III zu haben.

Noch im Visier hat der FC Argeș 1953 die dritte Liga. Erst seit dieser Saison im Spielbetrieb, liegt der zweimalige rumänische Meister nur fünf Punkte hinter Tabellenführer Unirea Bascov. Der alte FC Argeș Pitești, der so große Spieler wie Nicolae Dobrin und Adrian Mutu hervorbrachte wurde 2013 nach 60 jährigem bestehen aufgelöst. Neben dem FC Argeș 1953 in der Kreisliga, buhlen jedoch, gleichwohl wenig erfolgreich, auch der aus dem Bukarester Vorort Clinceni übergesiedelte Zweitligist ACS Academia Argeș sowie der Drittligist SCM Argeșul Pitești 2012 um die Gunst der Zuschauer in der walachischen Großstadt.

Komplettiert wurde das Teilnehmerfeld durch den auch erst im Sommer gegründete FC Vaslui 2002. Der gar nicht so alte FC Vaslui war 2002 von Marius Stan, dem ehemaligen Präsidenten Oțelul Galați‘ gegründet worden. Innerhalb von drei Jahren gelang den Moldauern der Aufstieg in die Liga I, in der sich die Gelb-Grünen ab 2007-08 fünfmal infolge für internationale Pokalwettbewerbe qualifizieren konnten. Im Sommer 2014 verweigerte der Rumänische Fußballverband jedoch die Erteilung der Erstligalizenz aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, sodass Präsident Ciprian Damian den Verein wieder auflöste.

Etwa 1.000 Zuschauer waren in die Hermannstädter Transilvanien-Sporthalle gekommen um sechs Spiele von jeweils 2x 25 Minuten zu sehen. Besonders laut wurde es dabei stets, wenn die etwa 300 Fans aus Timișoara ihr Team nach vorne sangen. Mit Unterstützung aus Mönchengladbach und Giulești erreichte die Viola zwei knappe Siege gegen Pitești und Vaslui, sodass das sechste und letzte Spiel des Tages zu einem wahren Endspiel wurde, hatte doch auch Voința Sibiu beide Spiele gewinnen können. Während den Hausherren nun ein Unentschieden gereicht hätte, waren die Gäste aus dem Banat auf einen Sieg angewiesen. Ein Torfeuerwerk wie in den Spielen zuvor entlud sich unter dieser Anspannung nicht mehr. Poli ging zwar in Führung und hatte auch danach deutlich mehr Torchancen als die Gastgeber, scheiterte jedoch ein ums andere Mal am starken Torhüter. Erst kurz vor Schluss sorgten die Banater mit zwei Toren für die Entscheidung und den dementsprechenden Pokalgewinn in der ersten Auflage des Turniers „Fußball ohne Patron“.

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