IMG_6939

05.03.17 (13:30) SpVgg Fürth – 1. FC Nürnberg 1:0

05.03.17 (13:30)
2. Bundesliga
SpVgg Fürth – 1. FC Nürnberg 1:0
Sportpark Ronhof
13.015 Zuschauer (2.200 Gäste)

Das Frankenderby zählt deutschlandweit sicher zu den interessantesten Begegnungen. Allein schon wegen der langen Tradition, welches dieses Derby auf dem Buckel hat. Immerhin stieg am vergangenen Sonntag die 262. Auflage dieses Duells der beiden Nachbarn. Im Jahre 1904, also vor sagenhaften 113 Jahren, fand dieses Derby erstmals statt. Zu seiner Zeit hieß der Sieger 1. FC Nürnberg. Die letzten Jahre, seit der Jahrtausendwende, konnte der Glubb bei den ungeliebten Nachbarn aus der „Westvorstadt“, wie es unter den FCN-Fans heißt, nur ein einziges Mal gewinnen. Dieser Sieg (0:2) liegt allerdings auch schon knapp 11 Jahre zurück.

Nach der Radtour in der letzten Saison war ich gespannt, was sich die FCN Fans für dieses Jahr überlegten. Da es zwischen Verein und Fans beim FCN aktuell alles andere als rosig zugeht, war anzuzweifeln, ob man sich etwas ähnlich nettes ausdenken würde. Zu tief sind die Gräben am Valznerweiher aktuell. Seit November 2016 haben die Ultras Nürnberg jeglichen Kontakt zum Club abgebrochen, da man der Meinung ist, „dass etwas Abstand beiden Seiten gut tun würde und dies besser als ein direkter Konfrontationskurs sei.“ (Ya Basta am 03.03.17). Große Choreografien bei FCN-Heimspielen können ohne Anmeldung beim FCN nicht organisiert werden, und so beschränkt sich die Szene seitdem auf Choreos, welche ohne Anmeldung und große Bürokratie durchgeführt werden kann. Und so kam es, dass man die Anmeldung für eine geplante Choreo beim Derby direkt bei den Verantwortlichen des ungeliebten Rivalen vornahm, welche sich jedoch vorerst mit den Kollegen aus Nürnberg absprechen wollte. Es dauerte nicht lange, da hieß es aus Fürth, dass darauf bestanden wird, die Choreo zuerst beim FCN anzumelden, da dies der Standard sei. Für die Ultras Nürnberg war diese Reaktion schwer nachzuvollziehen. Man entschloss sich daraufhin auf eine Choreo zu verzichten. Schade, denn das traditionsreichste Derby unseres Fußballlandes hat defintiv zwei farbenfrohe Fanblöcke, mit tollen Choreografien verdient.

Die Motivation für das Derby dürfte bei den Rot-Schwarzen spätestens jetzt ziemlich weit unten gewesen sein. Dies merkte man dann auch beim Fanmarsch von der Fürther Stadthalle zum Stadion. Mucksmäuschenstill lief man die Route zum Stadion. Von Derbystimmung keine Spur. Ein, Zwei zarghafte „Hier regiert der FCN“ – Rufe gab es aus den hinteren Reihen des Pulks. Auf der Strecke schauten viele Anwohner neugierig auf den etwa 600 Mann Tross und einige schauten auch verdutzt, ist man von Fußballfans eher Lautstärke gewohnt.

Eine knappe dreiviertel Stunde zuvor war der Fanmarsch der Fürther auf teilweise der gleichen Strecke unterwegs. Angeführt von Trommler und Vorsänger zogen ebenfalls ca. 500-600 Fans zum Stadion. Die Grün-Weißen hatten ihren Treffpunkt am Rathaus auf 9:15 Uhr vorverlegt, als man davon erfuhr, dass sich die Nürnberger ebenfalls zu dieser Zeit treffen wollten. Auf dem Weg zum Stadion wurde einiges an Pyrotechnik gezündet und auch einzelne Böller ertönten. Da man sehr früh unterwegs war, lief der Tross seelenruhig und hielt einige Male an um sich auf das Derby einzustimmen. Aber auch hier gewann man den Eindruck, dass es etwas an Motivation fehlte. Vielleicht spielt man zu oft gegeneinander, vielleicht war es auch der sehr frühe Treffpunkt an einem Sonntag. Eventuell würde eine mehrjährige Pause dem Derby mal wieder richtig in die Spur verhelfen. Die Fans der Spielvereinigung legten etwa auf halber Strecke einen mehrmaligen Pogo hin, welcher ihnen sichtlich Spaß bereitete. Auch anwesende Polizisten, Anwohner welche aus ihren Fenstern sahen und andere Passanten konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Im Stadion präsentierte die Fangemeinde der Fürther eine Choreo, welche an die Geschichte der Stadt Fürth erinnerte. Im Jahre 1922 verhandelte die Fürther Administration offen mit Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Luppe über eine Einverleibung nach Nürnberg! Zusammen mit Fürths 70.000 Einwohnern könnte Nürnberg (mit damals 361.000 Einwohnern) München einholen und dessen Sonderstellung in Frage stellen. Selbst der Fürther Oberbürgermeister Dr. Wild gab seinen anfänglichen Widerstand rasch auf. Und hier kommen wir zu „Treu Fürth“ („Verein zur Wahrung der Interessen der Stadt Fürth“). In einem extra für diesen Zweck mit diversen Fürther Verbänden, wie z. B. dem Grund- und Hausbesitzerverein oder den Innungen, gebildeten Gremium namens „Arbeitsausschuss zur Erhaltung der Selbstständigkeit der Stadt“ setzte man sich gegen den Zusammenschluss der beiden Städte ein. Der Verein „Treu Fürth“ erlebte einen ungeahnten Zulauf, im Januar 1922 war sogar jeder zehnte Fürther Mitglied! Am 22. Januar 1922, dem Tag der Abstimmung ließ „Treu Fürth“ in den Stadtfarben dekorierte Pferdegespanne und Lastwagen durch die Stadt fahren. Mit der Parole: „Wir sind Fürther und wir bleiben Fürther!“. Mit 65 % Mehrheit schmetterte die Fürther Bevölkerung die Pläne der Stadtregierungen ab. Ein Verdienst von „Treu Fürth“. Dieser Meilenstein der Fürther Geschichte war Thema der Choreografie, und wurde optisch nachgestellt. Optisch eine sehr gelungene Aktion. Im Gästeblock hatte man augenscheinlich Wind von dieser Aktion bekommen, denn dort hing über einen längeren Zeitpunkt ein Banner mit der Aufschrift: „In einem Punkt sind wir uns einig: Danke „Treu Fürth“. Dazu wurde immer wieder dieses Lied zum besten gegeben: „Fürther bleiben Fürther, denn in Nürnberg braucht euch keine Sau. Oh Westvorstadt, bleib treu und f**** euch selbst“. Auch eine Choreo der Fürther beim Auswärtsspiel in Aue wurde genutzt, um sich über den ungeliebten Nachbarn lustig zu machen. Stimmungstechnisch zeigte das Derby zwar einmal mehr, dass es weiterhin zu den stimmungsvollsten des Landes gehört, doch fehlte natürliche die optischen Highlights im Gästeblock. Beide Seiten waren gut zu hören, auch wenn auf Heimseite der Funken auf die Außenbereiche der Fankurve öfters nicht übersprang. Nach dem späten 1:0 Siegtor, erwachte die Fürther Kurve dann auch am Rand, und sorgte für sehr gute Fußballatmosphäre. Die Luft im Gästeblock war nun raus. Mal wieder gab es am Rohnhof eine Niederlage. Nach dem Spiel verweilte der FCN Anhang noch eine ganze Zeit im Block, da man anscheinend hoffte, dass sich jemand vom Club blicken läßt, was jeodoch bis zum Abmarsch nicht mehr passierte.

Fotos & Text: Ric

Schreibe einen Kommentar