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01.11.2015 (17:30) Club Cerro Porteño – Club Olimpia 1:3

01.11.2015 (17:30)
Primera División (Paraguay)
Club Cerro Porteño – Club Olimpia 1:3 (1:2)
Estadio Defensores del Chaco
Attendance: 30’000 (15’000 per club)

 

English Version:

Video: https://www.youtube.com/watch?v=IR91f7_gnZw

Photos, Video & Text: Flo

Honestly I have to admit that without the derby between Cerro and Olimpia last Sunday I would have never made it to Asunción in Paraguay. South America’s second poorest country is far from being known as a touristic highlight. In fact, most of its tourists come from the neighbouring countries due to the remarkably low prices for mobilephones and other electronic devices. The capital Asunción is no exception from that and the sights of the city can be seen within one afternoon. However, now that I’ve been there I would still recommend a few days in the city: The people there are amazingly friendly, everything is cheap, the city is fairly safe compared to a lot of other cities in Latin America and the derby (that to be said already) is not that bad either.
The two clubs contesting the country’s súper clásico are Club Cerro Porteño and Club Olimpia.
Cerro is the people’s club, having its roots in the lower class of the country. The club colours red and blue are based on the political forces that were opposing each other in the year of the club’s foundation 1912, the Partido Colorado (red) and the Partido Liberal (blue). The founders chose both colours as a sign of peace and friendship. The name of the club has its roots in the battle of the Paraguayan army, who beat the forces of Buenos Aires (the Porteños) on a rock (Cerro) nearby the city.
Olimpia, founded in 1902, is the country’s oldest football club and is considered the club of the upper class. Olimpia is the only Paraguayan Club that ever managed to win an international title, including three Copa Libertadores victories and the winning of the world cup in 1979. The club colours are black and white.
Of the 413 games the two rivals played against each other, each of them managed to win 145. Regarding national championships, Olimpia is 39:31 in the lead.
Before last Sunday’s derby, Cerro was ranked first with Olimpia being only one point behind. The game was played in the Paraguay’s biggest stadium, the Estadio Defensores del Chaco, with both sides occuping half of stadium.
The time before kick-off was by far the most intense of the whole game. In front of the stadium, Cerro fans were not only fighting among themselves but also with the police, who had to use rubber bullets and water cannons to regain control over the situation. Inside the stadium, the songs were getting louder and louder the closer the kick-off got. When both teams finally entered the pitch, Olimpia presented two huge flags showing the club crest and the titles that the club had won. Cerro presented a banner, a huge red-blue checked flag as well as lots of flags, confetti and balloons. South America at its best.
However, as soon as the game started, most of the fans sat down and only most of the fans behind the goals remained standing and even fewer continued to support the two teams. Besides the goals and the moments after the goals, the game on and off the pitch during the 90 minutes can be described as rather boring. In the end, Olimpia won 3-1, claiming the first place of the table. However, as soon as the referee blew the final whistle, both sides seemed to wake up and started singing again, batteling each other in large numbers and over several minutes.
Summing up, it was an interesting, exciting and absolutly recommendable derby, that was only interrupted by the 90 minutes during which the game was played.

Deutsch:

01.11.2015 (17:30)
Primera División (Paraguay)
Club Cerro Porteño – Club Olimpia 1:3 (1:2)
Estadio Defensores del Chaco
Zuschauer: 30’000 (15’000 pro Verein)

Video: https://www.youtube.com/watch?v=IR91f7_gnZw

Fotos, Video & Text: Flo

Seien wir ehrlich: Ohne das Derby zwischen Cerro und Olimpia am vergangenen Sonntag hätte ich mich wohl kaum nach Asunción in Paraguay verirrt. Im Gegensatz zum noch ärmeren Bolivien kann Paraguay nicht mit diversen touristischen Highlights aufwarten, ein Grossteil der südamerikanischen Touristen kommt denn auch hauptsächlich ob der tiefen Preise für Handys, GPS-Geräte und andere Elektroartikel ins Land. Auch die Hauptstadt Asunción ist dabei kein Ausreisser nach oben. Kurz nachdem das Land im Jahr 1811 seine Unabhängigkeit erlangte, wurde das komplette Stadtzentrum zerstört und in der heutigen, einem Schachbrett nachempfundenen Grundform wieder errichtet. Die Liste der Sehenswürdigkeiten der Stadt ist entsprechend kurz und innerhalb eines Nachmittags schnell abgearbeitet. Nichts desto trotz lohnt sich ein Aufenthalt in Asunción, dessen Name auf Deutsch im Übrigen Mariä Himmelfahrt bedeutet, sind doch die Paraguayos äusserst freundlich, die Kosten niedrig und die Stadt im Vergleich zu anderen südamerikanischen Städten äusserst sicher.
Die beiden groössten Vereine Paraguays, die vier Mal im Jahr den Súper Clásico des Landes bestreiten, sind der Club Cerro Porteño und der Club Olimpia.
Cerro gilt in Paraguay der Verein des einfachen Volks, da ein Grossteil seiner Anhängerschaft aus der gesellschaftlichen Unterschicht stammt. Seine Vereinsfarben verdankt der Verein den beiden rivalisierenden politischen Parteien aus dem Jahr 1912, dem Partido Colorado (rot) und dem Partido Liberal (blau). Als Zeichen des Friedens und der Verständigung entschlossen sich die Gründer des Clubs, die Farben beider Parteien zu verwenden. Der Name des Vereins hat seinen Ursprung in einem Felsen (Cerro), auf welchem die Armee Paraguays am 19. Januar 1811 die zahlenmässig überlegenen Truppen aus Buenos Aires, genannt Porteños, besiegen konnte.
Olimpia, der mit 113 Jahren älteste Fussballverein Paraguays, spielt in den Farben schwarz und weiss und gilt im Gegensatz zu Cerro als Verein der Oberschicht. Olimpia ist der bislang einzige Verein aus Paraguay, der einen internationalen Titel erringen konnte. Neben den drei Siegen in der Copa Libertadores gilt vor allem der Gewinn des Weltpokals im Jahr 1979 als grösster Erfolg des Clubs. Zu den bekannteren Spielern des Vereins gehört unter anderem auch Roque Santa Cruz.
In den bisher 413 Begegnungen zwischen den beiden Vereinen konnten beide Teams 145 Mal den Sieg davontragen, 123 Partien endeten Unentschieden. Was die Zahl der nationalen Meisterschaften angeht hat Olimpia mit 39 zu 31 Titeln die Nase vorn.
Vor dem Aufeinandertreffen der beiden am vergangenen Sonntag trennte Olimpia sechs Spieltage vor Saisonende nur einen Punkt von Tabellenführer Cerro. Es versprach somit ein heisser Tanz zu werden. Gespielt wurde im grössten Stadion des Landes, dem Estadio Defensores del Chaco, welches auch von der Nationalmannschaft Paraguays genutzt wird. Obschon Cerro eigentlich Heimrecht hatte, wurden die Tickets zu gleichen Teilen auf die beiden Vereine aufgeteilt – für die Stimmung im Stadion sicherlich kein Nachteil.
Bereits vor dem Spiel lieferten sich Fans von Cerro vor dem Stadion neben Rangeleien untereinander auch immer wieder Scharmützel mit der Polizei. Diese konnte die Situation erst nach wiederholtem Einsatz von Gummischrot und dem Vorfahren eines Wasserwerfers wieder endgültig unter Kontrolle bringen. Auch im Stadion selbst war die Zeit vor dem Anpfiff mit grossem Abstand die beste Phase des Derbies. Bereits früh schwappten die Gesänge zwischen den beiden Seiten hin und her und schaukelten sich bis zum Einmarsch der beiden Teams immer weiter hoch. Als die beiden Teams schliesslich das Feld betraten, wurden auf Seiten Olimpias zwei grosse Blockfahnen präsentiert, einmal mit dem Wappen des Vereins und einmal mit den gewonnenen Trophäen des Vereins. Cerro wusste neben einem Spruchband und einer grossen rot-blau-karierten Blockfahne auch mit einem für Südamerika typischen durcheinander aus Konfetti und Luftballons zu gefallen. Auf beiden Seiten jedenfalls ein absoluter Hingucker. Auch was die Lautstärke der Gesänge war nun absolut ohrenbetäubend.
Leider war damit aber auch schon der Höhepunkt des Spiels erreicht. Mit Anpfiff des Schiedsrichters machten es sich die allermeisten Zuschauer auf ihren Sitzen bequem und lediglich der Kern der beiden Kurven sollte sich bis zum Spielende mit einigen wenigen Ausnahmen am Support beteiligen. Akkustisch war das Ganze abgesehen von wenigen Augenblicken nach den Toren eher Magerkost. Optisch verdiente sich Cerro mit einer Vielzahl an Zaunfahnen und zahllosen kleinen Schwenkfahnen über die kompletten 90 Minuten ein Sonderlob. Warum es auf Seiten Olimpias heute absolut keinerlei Fahnenmaterial – weder Zaun noch Schwenkfahnen – zu bestaunen gab, konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden.
Auf dem Feld selbst wurde äusserst schwer verdauliche Fussballkost geboten, zumindest der Spielverlauf mit einem frühen 1-0 für Olimpia sowie dem postwendenden Ausgleich für Cerro sorgte jedoch für Spannung. Nach der 2-1 Führung für Olimpia sowie einem späten 3-1 in der zweiten Hälfte war die Messe jedoch gelesen und Olimpia durfte sich über die Eroberung der Tabellenführung freuen. Mit dem Schlusspfiff schienen zudem auch die beiden Kurven wieder aufgewacht zu sein und lieferten sich über einige Minuten nochmals einen hörenswerten Schlagabtausch.
Unter dem Strich steht ein interessantes, abwechslungsreiches und absolut sehenswertes Derby, welches lediglich durch 90 Minuten Spielgeschehen unterbrochen wurde.

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